Berger Modellbau, Göttingen

Die Einheitsgelenkdrehscheiben

Abb. 1 Grubenrand

Abb. 1 Grubenrand

Abb. 2 Wanderschutz

Abb. 2 Wanderschutz

Abb. 3 Bw Hamm (Foto: Ingo Bornemann / Lost Areas.de)

Abb. 3 Bw Hamm (Foto: Ingo Bornemann / Lost Areas.de)

Abb. 4 Überbrückungsstück und Riegel

Abb. 4 Überbrückungsstück und Riegel

Abb. 5 Gelenkdrehscheiben

Abb. 5 Gelenkdrehscheiben

Abb. 6 Königstuhl einer Einheitsgelenkdrehscheibe

Abb. 6 Königstuhl einer Einheitsgelenkdrehscheibe

Abb. 7 Alte Ausführung eines Brückengelenks

Abb. 7 Alte Ausführung eines Brückengelenks

Abb. 8 Eigenschaften der Antriebe

Abb. 8 Eigenschaften der Antriebe

Abb. 9 Auffahrschienen und Wandersicherung

Abb. 9 Auffahrschienen und Wandersicherung

Abb. 10 Neigung 1:8

Abb. 10 Neigung 1:8

Abb. 11 Neigung 1:9

Abb. 11 Neigung 1:9

Ich stelle hier zunächst drei Zeichnungen der Einheitsgelenkdrehscheibe zum Download bereit.

Auch zu Drehscheiben und Schiebebühnen kann man bezüglich des Oberbaus etwas beitragen. Oder anders ausgedrückt: Wenn man sich die kommerziell angebotenen Modelle ansieht, für die durchaus ordentliche vierstellige Summen verlangt werden, muss man dem vorbildorientierten Puristen einige Informationen an die Hand geben, damit er seine Ansprüche an so ein Modell formulieren kann.
Dabei beziehen sich meine Ausführungen auf die Lok. Gelenkdrehscheibe 23N u. 26N wie sie von der Arbeitsgemeinschaft für Drehscheiben u. Schiebebühnen und Reichsbahn ab Ende der dreißiger Jahre entwickelt wurden. Keiner der Anbieter behauptet ein Modell einer solchen Einheitsdrehscheibe zu bauen. Dementsprechend muss sich der Liebhaber eines solchen Vorbildes mit dem Selbstbau anfreunden, denn Nachbesserungen sind zum Beispiel schon angesichts der speziellen Form der Grubeneinfassung (Abb. 1) kaum möglich.

Die Gruben
Die Pläne der Einheitsdrehscheiben zeigen einen Laufkranz aus 5 verschweißten Schienenstücken zu je 13744 mm Länge (23m-Drehscheibe). Da sie verschweißt sind, muss der Modellbauer sich nicht zwingend an diese Vorbildvorgabe halten. Die Schienen liegen auf 120 Schwellen aus Eiche (23m und 26m). Der Schwellenabstand ist kleiner als bei Gleisen 1. Ordnung. Die Hölzer liegen in der Regel auf einem Ring aus besonders druckfesten Beton. Die Schotterbettung, die auf der Zeichnung (PDF-Download) zu sehen ist, ist eher die Ausnahme.
Jede vierte Schwelle wird mit Bolzen und Laschen festgesetzt. Darüber hinaus wird die Schiene noch an fünf Punkten mit der Grubeneinfassung verbunden, um das Wandern des Schienenringes zu unterbinden (Abb. 2). Sollte die Grubeneinfassung wegen nur weniger Gleisabgänge unterbrochen sein, werden an geeigneten Stellen Festpunkte für diese Wandersicherungen gegründet.
Auf den Schwellen wird die Schiene nach Art des Oberbaus K auf Rp 16 befestigt, die als ungeneigte Rippenplatte aus dem Weichenbau bekannt ist.

Für Schiebebühnenmodelle gilt sinngemäß ähnliches. Das Foto aus dem Bw Hamm (Abb. 3) zeigt noch eine Besonderheit, die selten nachgebildet wird. Hier liegen zwei Laufschienen dicht nebeneinander. Für diese Anordnung gibt es die besondere Platte Rp 1379.
Einschienige Ausführungen auf Rp 16 sind nicht falsch. Es sollte nur jeweils die Ausführung des gewählten Vorbildes beachtet werden.

Die Bühne
Die Bühnen sind Stahlkonstruktionen. Die Schienen liegen schwellenlos auf den Langträgern. Die Platten Rus 26 sind aufgeschweißt (wie das s im Namen schon anzeigt), Platten mit Schwellenschrauben haben hier also nichts zu suchen.
Die Blätter, die ich zum Download bereitstelle, zeigen die Bauart mit Übergangsstücken an den Bühnenenden (Abb. 4). Das sind 500 mm kurze Schienenstücke, die mit den Riegeln gekoppelt sind und bei entriegelter Bühne am Ende ein paar Millimeter angehoben werden. Beim Verriegeln senkt sich das Ende auf einen Ring aus Winkelstahl 100*100*12, der auf dem Grubenrand liegt. Dadurch soll die Last beim Befahren vom Bühnenende auf den Grubenrand verlagert werden.
Wegen der Übergangsstücke hat die 23 m-Einheitsdrehscheibe eine Nutzlänge von 22,6 m.

Kurzer Exkurs:
Einfache Gelenkdrehscheiben haben eine geteilte Brücke (Abb. 5). Das Hauptteil liegt mit einem Ende auf dem Königstuhl (Abb. 6) und mit dem anderen über die Lauf- und Antriebsräder auf dem Laufkranz. Das zweite Brückenteil ist elastisch am Hauptteil angeflanscht und liegt an der Notantriebsseite ebenfalls auf dem Laufkranz. Dadurch ergibt sich eine gleichmäßige Lastverteilung und etwaige Senkungen können ausgeglichen werden. Außerdem können kürzere Brückenteile niedriger gebaut werden. Die Originalzeichnung des Königstuhls zeigt die um 505 mm außermittige Lage des Gelenks. Der Begriff Gelenk meint hier nicht etwas wie ein Scharnier. Es ist eine Art kontrollierte Schwachstelle bei der Verbindung der Langträger, die kleine vertikale Bewegungen der Bühnenenden zuläßt. Die ersten Gelenkdrehscheiben (1912 Klentsch/Voegele) hatten allerdings wirklich sehr kräftige Drehgelenke, die direkt über dem Königstuhl angeordnet waren (Abb. 7).
Außerhalb der Langträger befinden sich diagonale Streben zu einem verbreiterten Querträger (siehe Übersichtszeichnung). Über diese wird das Drehmoment des angetriebenen Teils auf die andere Brückenhälfte übertragen damit das Gelenk nicht in der Drehrichtung belastet wird, wofür es nicht ausgelegt ist.
Vor etwas mehr als dreißig Jahren habe ich mal ein Drehscheibe in 1:45 gebaut, die vorbildlich einseitig durch die Antriebsräder bewegt werden sollte. Das hat überhaupt nicht zufriedenstellend funktioniert. Der Königstuhl wirkte nicht wie ein Drehpunkt sondern eher wie ein Hindernis, gegen das der Antrieb arbeiten musste. Aber als ich die Bühne wie beim Vorbild teilte und ein Drehgelenk einbaute, gab es keinen Schlupf mehr und das Prinzip funktionierte mit und ohne Last prima.

Die Drehgeschwindigkeit ist höher als viele, die die Dampflokzeit in echten Betriebswerken verpasst haben, glauben mögen. Das Bühnenende bewegt sich mit etwas mehr als einem Meter pro Sekunde (Abb. 8).

Zurück zu Oberbauangelegenheiten: Die Anschlußgleise von Drehscheiben und Schiebebühnen sollen auf mindestens 15 Meter gerade und ohne Gefälle geführt werden. Es darf aber auf den Wert 15-r/27 heruntergegangen werden. r ist der Halbmesser des anschließenden Bogens in Meter.
Die Auffahrschienen müssen gegen Wandern gesichert werden, das z.B. durch das ständige Bremsen der Lokomotiven vor dem Befahren der Bühne verursacht werden kann. Zusätzlich zur Befestigung auf dem Grubenrand werden noch Anschläge angeschweißt, so dass die Längsbewegungen der Schienen durch einbetonierte Schienenstücke begrenzt werden kann (Abb. 9).
Am Grubenrand liegen die Schienen in der Regel nicht auf Rippenplatten, sondern auf größeren Blechen mit aufgeschweißten oder aufgenieteten Rippen. Diese Bleche werden auf dem Grubenrand verankert. Im Bereich des Winkelrings wird der Grubenrand durch Holzschwellen gebildet, die am Rand der Grube entsprechend kreisförmig angeschnitten sind. Manchmal ist das Auflager auch komplett aus Beton oder die Holzschwellen sind noch von einem äußeren Betonring eingefasst.
Die Anordnung, Größe und Gestaltung der Blechplatten oder Rippenplatten wird beim Vorbild nicht einheitlich ausgeführt. Auf Fotos sind jedenfalls diverse Varianten auszumachen und Zeichnungen dazu liegen mir leider nicht vor. Ein Beispiel aus Heilbronn

Wenn die Drehscheibengleise sich überschneiden, werden Herzstücke notwendig. Dabei ist nicht jeder Überschneidungswinkel möglich oder sinnvoll. In der Beispielzeichnung sind 1:8-Abgänge an einer 23 m-Drehscheibe konstruiert. Es ist erkennbar, dass die Schienenköpfe am Grubenrand sehr schmal werden würden, was zu beschleunigtem Verschleiß führt. Das Problem könnte dadurch gelöst werden, dass der Durchmesser des Winkelrings vergrößert wird und die Übergangsstücke so verlängert werden, dass die Schienenköpfe nicht oder nur wenig bearbeitet werden müssen (Abb. 10).
Sonderlösungen sind allerdings immer teurer und bringen auch eine erschwerte bzw. aufwendige Ersatzteilvorhaltung mit sich. Daher wird bei 23 m-Drehscheiben bevorzugt das vielfach verwendete 1:9 Herzstück verwendet, das aus dem Weichenbau bekannt ist (Abb. 11).

Jede Drehscheibenzufahrt wird auf der gegenüberliegenden Seite entweder mit einem weiteren Gleis fortgeführt oder es liegt dort wenigstens ein Gleisstutzen mit Gleisendschuhen am Ende. Diese sind 55 mm hoch, damit die Bahnräumer nicht beschädigt werden. Siehe dazu auch den letzten Abschnitt von Untersuchungsgruben.

Die Schwellen werden so gelegt, dass der gesamte Bereich einem Gitter ähnlich ausgesteift wird. An den Schwellenköpfen soll ausreichend Schotter liegen, um einen hohen Widerstand gegen Querverschiebungen zu erreichen.

Letzte Änderung: 20. November 2019